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Beschreibung: Radiomitschnitt
65 MB - mp3 - 85 Min. - pw: gurke
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BR 1982, 85 Minuten Regie: Wolf Euba Bearbeitung: Wolf Euba
"Alle meine Stücke sind Tragödien... sie werden nur komisch, weil sie unheimlich sind", erklärte Ödön von Horváth. Das trifft auch auf sein 1936 in Wien uraufgeführtes Bühnenstück "Glaube, Liebe, Hoffung" zu. Der Untertitel lautet "Ein kleiner Totentanz in fünf Bildern". Horvath übernahm den Stoff aus einem Tatsachenbericht, den der Gerichtsreporter Lukas Kristl im Juli 1929 in der Münchner Post veröffentlicht hatte. Das Stück entstand in enger Zusammenarbeit mit Kristl und ist als Protest "gegen die bürokratische und verantwortungslose Anwendung kleiner Paragraphen" zu verstehen. Es handelt sich um eine ganz alltägliche Geschichte: Elisabeth, eine junge Miederwarenvertreterin hat keinen Gewerbeschein und geht dennoch hausieren, weil sie nicht verhungern will. Sie bekommt eine Strafe - für den Arbeitgeber ein Grund, sie auf die Straße zu setzen. Aus einem geringfügigen Vergehen entsteht eine Kettenreaktion, an deren Ende die Vernichtung ihrer Existenz steht. Elisabeths Verlobung mit einem Polizisten geht zu Bruch, weil er als Ehrenmann und Beamter mit "so einer" nichts zu tun haben will. Das Mädchen geht ins Wasser, weil sie "nichts zu fressen hat". Alle sind mitschuldig an diesem Tod, da alle sich stets an ihre Vorschriften und Vorurteile halten.
Ö.v.Horvath: Randbemerkungen zu 'Glaube, Liebe, Hoffnung' 1932:
"Wie in allen meinen Stücken versuchte ich auch diesmal, möglichst rücksichtslos gegen Dummheit und Lüge zu sein, denn diese Rücksichtslosigkeit dürfte wohl die vornehmste Aufgabe eines schöngeistigen Schriftstellers darstellen, der es sich manchmal einbildet, nur deshalb zu schreiben, damit die Leut sich selbst erkennen. Erkenne dich bitte selbst! Auf daß du dir jene Heiterkeit erwirbst, die dir deinen Lebens- und Todeskampf erleichtert, indem dich nämlich die liebe Ehrlichkeit gewiß nicht über dich (denn das wäre Einbildung), doch neben und unter dich stellt, so daß du dich immerhin nicht von droben, aber von vorne, hinten, seitwärts und von drunten betrachten kannst!"
Elisabeth: Ilse Neubauer Ein Schupo: Gerhard Lippert Oberpräparator: Walter Fitz Präparator: Gustl Weishappel Vizepräparator: Michael Habeck Hans Quest, Marianne Lindner, Eva Vaitl, Hans Löscher, Walter Reinhold, Philip Arp, Heide Ackermann, Wilfried Klaus, Toni Berger, Franz Rampelmann, u.a.
 Ö. v. Horváth, Fotografie v. Alice Domker
Horváth, Ödön (Edmund) von, * 9. 12. 1901 Fiume (Rijeka, Kroatien), † 1. 6. 1938 Paris (Frankreich; Unfall), Dramatiker und Erzähler. Sohn eines österreichisch-ungarischen Diplomaten, lebte ab 1923 als Schriftsteller in Berlin und Murnau (Bayern). Aufgrund von nationalsozialistischen Repressalien 1933-38 in Wien, emigrierte im März 1938 nach Paris. Seine Stücke stehen in der Tradition des Wiener Volksstücks und der österreichischen sprachskeptischen Literatur. Vor allem durch die Demaskierung kleinbürgerlicher Sprache ("Bildungsjargon") und Verhaltensweisen übte er radikale Sozialkritik, wobei besonders die Frauen als Opfer erscheinen. In seinem Spätwerk, den Romanen "Jugend ohne Gott" (1937) und "Ein Kind unserer Zeit" (1938) befasste er sich mit dem Aufstieg des Faschismus. Kleist-Preis 1931.
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