Beschreibung: 300.000 Menschen fallen durch die Löcher im sozialen Netz: Zeichen der wachsenden Ausgrenzung von Alten, Armen und Kranken?
Frau D. ist 71 Jahre alt und geht, gemeinsam mit ihrem Mann, täglich in der Morgendämmerung putzen. Hinterher schmerzt ihr oft der Rücken und manchmal fühlen sich die Hände taub an - aber Frau D. würde niemals zum Arzt gehen. Seit fünf Jahren ist die Rentnerin nicht krankenversichert.
Herr S. führt einen kleinen Handwerksbetrieb. Jeden Morgen, wenn die Kreissäge anläuft, tauchen in seinem Kopf die gleichen Fantasien auf: ein Versehen, ein Ausrutscher, eine Verletzung. Und jeden Morgen sagt er sich: Das darf nicht passieren - Herr S. ist nicht krankenversichert.
Die Krankenstation der Berliner Stadtmission Lehrter Straße. Fast alle Patienten sind nicht versichert. Zum Beispiel Herr L, der letzte Woche kam, ohne Papiere und mit akuter Lungenentzündung. Ein Teil der Schulden von Herrn L. sind Behandlungskosten nach einem Unfall.
Solche Leute dürfte es offiziell nicht geben. Schließlich genießen seit der Gesundheitsreform alle Anrecht auf Versicherungsschutz - und unterliegen der Versicherungspflicht. Aber warum haben sich von grob geschätzt 300.000 Menschen ohne Krankenversicherung nach Aussagen der Versicherungen nur wenige tausend bisher neu angemeldet?
Augenscheinlich herrscht eine Diskrepanz zwischen geregelter Theorie und defizitärer Praxis. Experten wie Karl Lauterbach sehen das Gesundheitssystem im Zuge der Reformen als weiteren Baustein zur "Zweiklassengesellschaft".
Der Film untersucht, ob die Löcher im sozialen Netz aufgrund von Versäumnissen und Formfehlern entstehen oder ob sie Zeichen der wachsenden Ausgrenzung von Alten, Armen und Kranken sind.
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